Frohe Weihnachten!

In einer Welt, in der man nicht mal einen Abschluss braucht, um Präsident der vereinigten Staaten zu werden, ist die Besinnlichkeit eingekehrt. Nächstenliebe steht ganz groß auf dem Programm, vor allem in der Türkei wird derzeit ein Gesetzt erlassen, dass ganz viel Liebe für Kinder erlaubt. Wie schön, wo doch die Jugend unsere Zukunft ist, mit ganz viel Liebe bereits in der Kindheit, werden aus ihnen ganz sicher hervorragende, liebende Menschen.

Wir backen herrliche Weihnachtskekse, mit Eiern von bestimmt glücklichen Hühnern, aber bitte die günstigen Eier. Ich weiß, dass es Legebatterien gibt, gestutze Schnäbel, und männliche Geschwister, die nicht mal einen Tag zu leben haben, aber das kann ich mir nicht angucken, das ist zu grausam, und die Eier stehen doch hier direkt im Supermarkt, ganz ohne Blut. Wenn wir die teuren Eier kaufen, wird sich ja auch nichts ändern.

Wir trinken leckeren Glühwein, ganz beschaulich auf dem Weihachsmarkt, mit Wasser aus Pakistan, oder Algerien, ist ja auch egal woher. Das die Menschen dort nicht mal an das eigene Wasser in ihrem Land dürfen ist natürlich sehr tragisch, aber hey, die leben doch noch, also werden sie ja wohl irgendwoher was bekommen. Vielleicht schick ich ja ein „Weihnachten im Schuhkarton“ Paket ab, ich tu auch eine Flasche Wasser rein.

Und erst die schönen Weihnachtsfilme im Fernsehen, da weiß man gar nicht, was man zuerst gucken soll. Trovatos, oder Mitten im Leben, Bauer sucht Frau, oder Frauentausch. Und wenn uns das zu langweilig ist, dann können wir ja immer noch nach Berlin rein fahren und ein paar Transvestiten, Ausländer, Schwule, oder einfach irgendwen der anders ist verprügeln, denn mal ehrlich, das muss doch echt nicht sein. Und Weihnachten feiern die doch sowieso nicht, es wäre also nur ein Akt der Nächstenliebe sie in die Spur zu weisen und an unseren alten Traditionen fest zu halten.

Natürlich sind wir gerade in dieser Zeit auch sehr spendabel, ich hätte da noch ein paar alte Klamotten, die ich an die Obdachlosen verteilen könnte. Kann jemand das bitte filmen, und mit trauriger Musik unterlegen? Und es ist natürlich wichtig, dass der Beschenkte Tränen des Glücks vergießt, also könnte ein langer Tag werden, bis das geeignete Objekt gefunden wird. Aber dann bin ich ein Held!

Eine Mauer…wäre doch bei uns auch nicht schlecht eigentlich, dann können wir ganz unter uns unsere Nächstenliebe ausleben. Es wäre so beschaulich, besinnlich und endlich müssten wir nicht mehr diese fiesen Importprodukte essen und tragen, denn das wäre ja nur konsequent. Wer braucht schon Pizza und Döner?

Zu Weihnachten verschenke ich gerne Kleidung, die ich natürlich gerne günstig kaufe, dann kann ich mehr verschenken. Am liebsten kaufe ich bei Primark, da kann ich mit vollen Säcken raus gehen, wo die Sachen hergestellt werden, unter welchen Bedingungen, das weiß ich nicht, aber hey, Primark gibt es hier überall, so schlecht kann es dann ja nicht sein?

Und Heiligabend? Da sitzen wir natürlich alle mit unseren Familien zusammen, auf die wir uns natürlich alle sehr freuen, weil wir sie ja bedauerlicherweise ein ganzes Jahr nicht gesehen haben, die Arbeit halt, so viel Stress, aber natürlich halten wir alle fest zusammen und wir würden ja auch die Oma aufnehmen, aber es ist ja kein Platz da, bei der Wohnungsnot heutzutage, aber wenigstens an Weihnachten, da ist alles total in Ordnung.

Überall. Auf. Der. Welt.

 


Viele Wellen wallen weit ins graue Meer,
eilig sind die Wellen, ihre Hände leer,
eine schleicht so langsam mit den Schwestern hin,
trägt in nassen Armen eine Königin.—

Liebe fragte Liebe: „Sag, weshalb du weinst?“
Raunte Lieb zur Liebe: „Heut ist nicht mehr wie einst!“
Liebe klagte Liebe: „Ists nicht wie vorher?“
Sprach zur Liebe Liebe: „Nimmer – nimmermehr.“

 

(Börries Frhr. von Münchhausen)

 

Wer sich selbst nicht liebt, liebt Niemanden.

 

Euer Partycrasher

 

 

 

 

Liebe Wutbürger,

ich kann Eure Besorgnis durchaus verstehen, auch ich bin ängstlich. Und Ihr schaut nicht einfach tatenlos zu, ihr wollt etwas unternehmen, raus gehen, wenn schon sonst keiner etwas macht. Dieses Engagement ist sehr lobenswert. Allerdings habt Ihr wahrscheinlich schon festgestellt, dass ein größerer Erfolg bisher ausgeblieben ist. Das liegt daran, dass Ihr einfach falsch an die Sache herangeht. Es bringt nun wirklich überhaupt nichts, ein Asylbewerberheim nieder zu brennen. Doch, es bringt etwas, nämlich das in Folge dessen die Zigarettensteuer und die Alkoholsteuer angehoben werden, denn irgendwie muss ein Neubau ja nun finanziert werden, und das wollen wir doch wohl alle nicht. Am Ende zahlt Ihr also doppelt.  Und es wird neu gebaut werden, so viel steht fest.

Prinzipiell verhält es sich wie bei einem Tumor. Um den Krebs zu heilen, muss zunächst der Tumor entfernt werden, danach folgt erst die Therapie um alle Überbleibsel zu eliminieren. Oder etwas einfacher ausgedrückt: Ihr habt ja sicher alle „Independence Day“ gesehen. Da musste erst das Mutterschiff zerstört werden, der Rest hat sich von selbst erledigt.

Es bringt also absolut überhaupt nichts, grölend durch die Straßen zu ziehen, irgendwelche Leute anzupöbeln die nur ganz eventuell etwas kriminelles im Sinn haben. Und Ihr seid doch  voller Menschlichkeit, oder?  Ihr würdet doch niemals einem Hilfesuchenden eine Hand verwehren, Ihr würdet niemals unschuldige Kinder in Angst und Schrecken versetzten, deren einiger Fehler es ist, am falschen Ort geboren worden zu sein. Nein, das seid Ihr nicht, ihr habt nur Angst vor den Anderen, den Bösen.  Angst vor der Zukunft, Angst um Eure Familien und Kinder. Geht mir auch so. Dummerweise gibt es leider auch hier genug böses, aber deutsches Blut. Aber das ist natürlich etwas ganz anderes.

Also was tun? Das Mutterschiff angreifen lautet die Devise. Und da Frau Merkel und ihre Gang in diesem Falle ja ganz offensichtlich völlig inkompetent sind, heißt es nun : Selbst ist der Mann! Ihr geht auf die Straßen, Ihr demonstriert, Ihr habt die Energie, den Willen, den Mut !

Ihr rettet Deutschland! Durch jahrelanges Training im Ego-Shooter  habt Ihr euch all das nötige Wissen angeeignet, Ihr seid fit und habt den Willen diesen heroischen Akt für die Menschheit zu bewerkstelligen, Ihr werdet in die Geschichte eingehen, Euer Leben wird verfilmt werden, Denkmäler gesetzt. Also auf, vereinigt Euch und ziehet dahin, in das feindliche Land, um die Sache endlich mal selbst in die Hand zu nehmen. Die eine Partei da wirbt ja schon mit Freiflügen und ist sicher gerne bereit, Euch kostenfrei rüber zu fliegen. Falls nicht, geht einfach den Flüchtlingen entgegen, einfach nur die Route nehmen, aus der sie kommen, bestimmt überlassen sie Euch auch gerne ihre Boote.

Ihr werdet die Wurzel finden und zerstören, weil Ihr einfach viel schlauer seid als die ganzen Politiker und der Rest der Welt, der sich einfach nur verkriecht, den Ihr seid einfach viel besser organisiert und kennt euch dank mortal kombat genauestens aus.

Ihr werdet es schaffen, ich glaube fest an Euch. Vielleicht könnt Ihr sogar das ganze Land einnehmen, und wir könnten Deutschland neu aufbauen, an einem Ort wo es wenigstens wärmer ist. Das wäre doch was! Nur Mut, ich drücke Euch von hier ganz fest die Daumen! Auf in den Kampf!

 

P.S. Falls Ihr aus irgendwelchen Gründen doch verhindert sein solltet, findet Ihr im Mittelaltersshop stilechte Mistgabeln und Fackeln für die nächste Hetzjagd.

Don’t grow up, it’s a trap!

Wie sähe wohl eine Welt aus, in der wir alle 4 Jahre alt wären? Zunächst einmal würden wir durchschnittlich 400 Mal am Tag lachen, ohne Erwachsene wahrscheinlich noch 5 Mal so viel, denn niemand möchte uns sagen, was wir nicht tun sollen. Wir würden den ganzen Tag im Schlafanzug verbringen, denn warum eigentlich nicht? Zum Frühstück würden wir uns Sahne direkt in den Mund sprühen, und vielleicht noch ein bisschen unsere Freunde vollkleckern, weil es Spaß macht, und unsere Freunde würden mit uns lachen. Wir würden Erdbeeren direkt vom Feld in den Mund schieben, ohne sie vorher zu waschen. Wir würden in Pfützen springen, ohne Gummistiefel, bis wir pitschnass sind. Niemand würde auf der Straße tödlich verunglücken, denn hier fahren nur Bobbycars, Laufräder und Roller.  Wir würden mehr singen als reden, ohne uns etwas dabei zu denken, denn keiner guckt uns dabei komisch an. Wir würden gedeihen wie eine Wildblume, mit Farben, die in ihrer Intensität ihresgleichen suchen, wunderschön, vielfältig und jede Form in sich perfekt. Es gäbe kein „Anders“ , denn dick, dünn, hässlich oder beeinträchtigt gäbe es für uns nicht, weil wir einfach alle so akzeptieren, wie sie sind, denn alles, was gegeben ist, wird hingenommen. Mystik wäre kein Wort, denn die ganze Welt ist für uns ein magischer Ort voll von Zauber und Märchenfiguren. Wir hätten Träume mit der festen Überzeugung, diese wahr werden zu lassen. Wir würden anderen Wünsche erfüllen, ohne dabei an uns selber zu denken. Wir würden im Regen tanzen, bis uns kalt wird, abends betrachten wir stundenlang die Sterne, anstatt durch die Nacht zu gehen, ohne auch nur einmal nach oben zu blicken, denn alles auf dieser Welt ist für uns ein Wunder, welches wir auch als solches betrachten. Kein Tier auf dieser Welt würde durch uns zu Schaden kommen, kein Baum gefällt, kein Fluss verschmutzt. Wir würden pinkeln, wann wir müssen, egal, wo wir gerade sind und dabei kichern, weil es lustig ist.  Es gäbe keine Angst, nur die, welche unser Überleben sichert. Vor allem keine Angst vor Unseresgleichen, denn das hat die Natur für uns nicht vorgesehen, und es ist auch nicht nötig, denn niemand will jemand anderem Schaden zufügen, wenn wir wütend sind, dann streiten wir uns, und sind nach kurzer Zeit wieder beste Freunde. Keiner denkt darüber nach, wenn ein anderer sich weh getan hat, wir gehen einfach hin und trösten, wir teilen, wenn wir möchten, wir streicheln und küssen, ohne etwas dabei zu denken. Mädchen tragen Blau und Jungs Pink, denn keiner weiß etwas von gesellschaftlichen Regeln.  Es gibt keinen Gott, denn die ganze Welt ist Gott und ein Wunder, welches wir alle gleich als solches betrachten. Wir werfen gemeinsam Steine ins Wasser, schmieren uns gegenseitig mit Farben an, pupsen und rülpsen, wir wohnen in Höhlen oder bauen uns Buden im Wald und wir finden es toll, wir erzählen uns aufregende Geschichten, und wenn wir etwas oder jemanden toll finden, dann sagen wir das, denn wir kennen keinen Neid oder Missgunst, denn wenn wir etwas möchten, nehmen wir es uns und geben weiter, ohne Besitzansprüche zu kennen, weil es einfach ganz normal ist, füreinander da zu sein. Wir würden laut schreien, wenn wir uns ärgern, denn keiner sagt uns, dass wir nicht schreien sollen, und danach geht es uns wieder gut, weil wir unseren Ärger raus gelassen haben, statt ihn zu unterdrücken. Wir würden den ganzen Tag Fragen stellen und miteinander Antworten finden, Dummheit wäre in unserem Wortschatz kein Begriff. Es gäbe kein Geld, nach dem wir streben, wir haben alle gleich viel. In dieser Welt gibt es keinen Argwohn, keine Angst vor Mord, Raub und Gewalt, keinen Tod durch Waffen. In dieser Welt gibt es keine Liebesfilme, denn die Liebe ist hier nicht nur ein Mythos, nach dem wir uns sehen, kein Bild an der Wand als Erinnerungen an längst vergangene Tage, sondern genau wie Hunger, Mut und Angst ein von der Natur gegebenes Gefühl, welches wir täglich leben, einfach, weil wir es können, weil wir es möchten und weil niemand uns gezeigt hat, wie wir es unterdrücken. Mit den Wörtern „Krieg und Frieden“ könnten wir überhaupt nichts anfangen. In einer Welt, in der wir alle 4 Jahre wären, da gäbe es kein Du und Ich, es gäbe nur ein Wir.

Frohe Weihnachten!

 

Bildquelle: indugly.com

Über das Streben nach Freiheit

So richtig frei sind wir nie. Gefangen hinter Mauern die wir uns selbst errichten. Gedanken, Arbeit, Familie, Freunde, Verpflichtungen, Steuer, ect.

Aber wir sind frei in unseren Entscheidungen. Jeder Mensch auf der der Welt kann jeden Tag wählen, ob er Weg A oder Weg B geht, niemand kann ihm sagen, was am Endes des Weges wartet, aber Erfahrung und Information kann uns helfen abzuwägen und richtige Entscheidungen zu treffen, danach verläuft unser Leben und wir ändern unseren Weg mit jeder Entscheidung die wir richtig oder falsch treffen.

Und dann haben wir noch Gehirn mit auf den Weg bekommen, um zu reflektieren, um uns selbst zu hinterfragen, damit wir bessere Menschen werden, mit guten Entscheidungen, die bestenfalls anderen helfen, denn im Endeffekt helfen wir uns nur selbst damit. Frei kann nur der sein, welcher in sich selbst zufrieden ist. Ein ständig wütender Mensch wird sich niemals frei fühlen, vielleicht weil er die Schuld immer bei Anderen sucht. Lügen verletzen andere Menschen, aber am meisten verletzen wir uns selbst wenn wir unwahr sind, leider stellen wir das erst viel, viel später fest, und dann auch nur, wenn wir uns wirklich selbst reflektieren.

Mein Inbegriff von Freiheit ist es, völlig allein, nur mit mir selbst einen Berg zu besteigen und dort oben die Natur atmen zu hören. Zeit zu nachdenken zu haben.

Andere empfinden Freiheit darin, nicht mehr um ihr Leben fürchten zu müssen, in einem Bett zu schlafen ohne Angst zu haben, dass die Familie am nächsten Tag tot ist. Freiheit ist für sie, keine Angst mehr zu haben. Freiheit ist für diese Menschen einfach nur Leben. Wenn sie in unsere Land kommen, so sind sie frei, sie haben es geschafft, dem Tod zu entkommen. Stelle wir uns nun dort hin, brüllen irgendwelche Parolen, die sie nicht verstehen, wohl aber den Hass spüren, wedeln drohend mit Fackeln oder urinieren auf Kinder, so haben wir wohl ein paar Mal den falschen Weg gewählt und haben es verpasst uns selbst im Spiegel zu betrachten. In diesem Fall sind wir die Gefangenen, eingesperrt in einem Kreislauf aus Wut über uns selbst, über die Ungerechtigkeiten des Lebens und dem Neid auf die Freiheit derer, die dort unschuldig in unser Land gerreist sind um zeitweilig Frieden zu finden.

Ich kann mir aussuchen, ob ich einen Berg besteige, oder mich in mein Bett lege. Nicht jeder kann das. Aber es sollte jeder können. Frei Entscheiden.

Es ist allerdings nie zu spät für seine Freiheit zu kämpfen. Manche Wege kann man auch zurück gehen, um an der Kreuzung woanders lang zu gehen. Andere Wege enden im Nichts, und wenn man das Schild „Sackgasse“ schon neonbeleuchtet in seinem Hirn blinken sieht, dann sollte man eventuell doch mal innehalten. Nachdenken. Umdenken. Hände reichen. Ein Mensch ist ein Mensch. Überall. In unseren Köpfen hat das Gehirn exakt die selbe Farbe, egal woher wir kommen. Ich garantiere das dass Benutzen des eigenen Hirns auch die eigene Freiheit offenbart.  #bloggerfuerfluechtlinge

Tick Tack

Wenn du schon beim backen des Geburtstagskuchen die Tränen kaum zurückhalten kannst, dann hast du begriffen, dass Zeit endlich ist. Auch wenn du es dir nicht bewußt ist, in deinem Inneren weißt du es. Vieles bleibt im Laufe der Zeit auf der Strecke, was aber immer präsent ist,  sind besonders schöne Erinnerungen, und einschneidend schlimme Erlebnisse.

Möchte ich für mein Kind, dass es ein liebender, rüchsichtsvoller, emphatischer Mensch wird, so sollte ich für ihn eine liebende, rüchsichtsvolle und emphatische Mutter sein. Das sollte ich mir immer in Erinnerung rufen, wenn ich gewillt bin zu schimpfen weil er wieder mal irgendwas schlecht gemacht hat, und ihn lieber loben für das was er toll macht. Und er macht so vieles wundervoll und einzigartig, wie es nur mein kleiner Junge kann.

Kinder sollten jeden Tag Geburtstag haben, jeden Tag feiern, jeden Tag die Nummer eins sein, für eine fantastische Kindheit. Denn diese kann sich kein Kind aussuchen. Für diese Phase sind wir, die Eltern zuständig. Sobald er erwachsen wird kann er selber steuern, aber noch ist auf mich angewiesen. Ich wünsche mir das seine Kindheit ein Fest ist. Er hat es verdient. Jedes Kind hat das verdient.

Weil Zeit endlich ist. Und nichts zurück kommt, Gutes sowie Schlechtes.  Und Michael Jackson. Und Elvis. Und die Nudeln von gestern. Naja, die vielleicht.

Happy Birthday Baby ❤

Der nachhaltige Fluch des Ohrenquallenschnitzels

Das ist mir 17 gelogen habe steht unwiderbringlich fest. An genaue Gegebenheiten kann ich mich zwar nicht mehr erinnern, aber ich wette meine Mutter könnte eine gesamte Abendveranstaltung mit ihren Erzählungen füllen.

War zwar blöd, rettet mich aber immerhin vor der Opferung auf einer geheiligten Granitplatte. Allerdings stehe ich bei der Apokalypse dann auch nicht in der ersten Reihe für die besten Platz in der Chill out Area. Aber irgendwas ist ja immer. Meine liebe Oma hat jedenfalls mal zu mir äußerst erschrocken gesagt „Kind, versündige dich nicht“. Keine Ahnung was ich da vom Stapel gelassen habe, aber meine Großmutter war nun auch nicht die 3 Mal die Woche Kirchgängering, demensprechend war es wohl mehr als nicht bibeltauglich.

Ich glaube allerdings nicht, das dies der wahre Grund für die Wolke ist, die mir derzeit auf Schritt und Tritt folgt und sich ausgiebieg über meinem Haupt entleert. Läuft bei mir…nicht.

Kennt man ja, Teufel scheißt auf den größten Haufen und so, wobei ich mich nun schon etwas länger in dieser Phase befinde.

Erst gestern, höchst motiviert zwecks Gewichtsreduzierung schwinge ich mich mitsamt Kleinkind auf mein gerade generalüberholtes Fahrrad mit den unkaputtbaren Reifen um damit 3 Kilometer zum Sport zu fahren. War auch echt schön, durch den Wald, den Berg hoch, bißchen in die Vorgärten gucken, bis ich dann endlich – natürlich am keuchen wie ein Hund- da war, nur um festzustellen, dass  der unkaputtbare Reifen offenbar seinen Beruf verfehlt hat, oder einfach ein fauler Arbeitsverweigerer ist, jedenfalls ist er platt. Ganz platt. Schön auch, wenn das am weit entferntesten Punkt von Zuhause passiert und man natürlich weder Flickzeug noch Luftpumpe noch Handy dabei hat. Dafür aber ein 12 Kilo Kind, welches genau über diesem Reifen sitzt.

Da bekommt der Begriff „unkaputtbar“ zunächst mal eine ganz neue Bedeutung. Ein aufmerksamer Leser wird spätestens an dieser Stelle bemerken, dass ich scheinbar nicht die hellste Leuchte im Lampenladen bin. Dem kann ich nur zustimmen. Was hab ich gedacht, dass dieser Reifen auf wundersame Weise niemals die Luft verliert? Das irgendwann die Sonne implodiert, die Erde nicht mehr ist, aber im Weltall schwebt bis in alle Ewigkeit ein unkaputtbarer Reifen?

Vielleicht gibt es ja irgendwo Kleingedrucktes, welches ich übersehen habe, auf dem Schlauch selber, erst durch eine aufwändige Geheimschriftentschlüsselung im aktuellen Y-Heft zu lesen. „Unkaputtbar, außer bei: Steinen, Scherben, Fettärschen, Streusalz, Strohhalmen, Spurrillen, roten Ampeln und Rindenmulch in Körnung 3.“

Wie auch immer, nu stand ich da. Der schwer mit Hund streicheln und rauchen beschäftigte Platzwart hatte leider auch kein Flickzeug, ebenso wie die beruflich sehr eingespannte Büroangestellte, die gerade ein äußerst wichtiges Gespräch mit ihrer Mutter über Krampfadern führen musste. Leider konnte sie mir auch nicht weiterhelfen.

Naja, dacht ich mir, die drei Kilometer schiebst du dann halt mal, werd es schon überleben, und das Kind sitzt ja gut dahinten, und schlimmer kann es nun auch nicht mehr werden. Nach 300 Metern Rückweg fühlte sich der unkaputtbare Reifen allerdings derart persönlich beleidigt, dass er in den spontanen Streik getreten ist und das komplette Hinterrad blockiert hat.  Das war dann schon ziemlich blöd irgendwie. Ich musste nun also das Hinterrad anheben, inklusive Kindersitz und Kind, um überhaupt vorran zu kommen. Da ich nach weiteren 50 Metern dann zwar fluchte wie der unglaubliche Hulk, aber leider dessen Kraf so gar nicht hatte, überlegte ich mir das dämlich Fahrrad jetzt irgendwo in die Büsche zu schmeißen oder irgendwo zu klingeln und zu fragen ob ich das Teil zunächst da lassen könne.

Zu meinem Glück kam da allerdings schon ein Herr auf mich zu, der wie ganz selbstverständlich mein Fahrrad nahm, in seinen Hof stellte und mir anbot mich nach Hause zu fahren. So viel Nettigkeit ist mir länger nicht begegnet. Nach überschwänglichen Dankesreden meinersteits setzte er mich dann auch Zuhause ab und das Fahrrad wurde dann später mit dem Auto abgeholt und in die Werkstatt gebracht, wo der freundliche Fachmann sagte “ Jaja, da ham se den Reifen platt jeschoben, dit mögen die unkaputtbaren jar nich“ HÄ? Ich habe den Reifen platt geschoben? Da ist ja so als wenn man sich eine neue Waschmaschine kauft, die benutzt, kaputt geht und der Händler sagt“ ja, da ham sie mit der Maschine gewaschen? Das mag die aber gar nicht“. Na dann.

Solche Sachen passieren mir in letzter Zeit ständig, also laufend, eigentlich jede Woche etwas. Man könnte mich nun als alten Jammerlappen abstempeln, bin ich aber nicht. Ich fluche nur gerne, ansonsten bin ich eigentlich ziemlich schwer aus der Fassung zu bringen. Nun frage ich mich, woran liegt es? Die Lügengeschichten aus meiner Kindheit habe ich ja bereits ausgeschlossen, allerdings habe ich derzeit ein ziemlich schlechtes Gewissen, da ich einem Moment geistiger Schwäche und übelster Genervtheit eine ganze Ameisenkolonie auf meiner Terrasse ausgelöscht habe. Ich glaube ich habe dabei auch Wörter wie „stiiiirb“und „kotzfressende Scheißarschmaden“ laut ausgesprochen.  Naja, fast vernichtet  zumindest, ab und zu seh ich noch die ein oder andere vorwurfsvoll glotzend an mir vorbei krabbeln. Zu Recht. Ich mein, die hatten Babys. Was für ein schrecklicher Mensch tut so etwas? Und dabei viel mir ein, dass meine Mutter auch heute noch gern erzählt wie ich als kleines Kind im Urlaub am Meer Quallenschnitzel gemacht habe. Das heißt ich habe die Dinger mit meinem Netz gefangen, mit der Schaufel zerhäkselt, mit Sand paniert, und meine Eltern mussten es essen. Ich denke das wird es gewesen sein, da hab ich mir was nachhaltiges eingefangen. Und mein Ameisentötungsdelikt hat es jetzt wohl auch nicht wirklich besser gemacht, ich denke die Phase wird wohl noch etwas anhalten.

Ich schwör, ich töte nie wieder eine Ameise. Und liebe Ohrenquallen, es tut mir furchtbar leid, vielleicht können wir doch noch mal Freunde werden und gemeinsam dem Sonnenuntergang entgegen schwimmen? So ganz romantisch.

Naja, wenn nicht ist auch nicht so schlimm, so ein warmer Sommerregen hat ja auch was romantisches. Nur scheint die Sonne dieses Jahr unter einer starken Phengophobie zu leiden, ich wünsche gute Besserung.

Zum Schluss ein absolut vege…ähh vega..naja zumindes auritalisches Rezept:

Eine fangfrische Ohrenqualle

Meersalz

fein gesiebter Ostseesand

Man nehme die Ohrenqualle und schneide sie in mundgerechte Stücke, danach die Filets gut waschen und mit Meersalz gut würzen. Dann in dem fein gesiebten Ostseesand von jeder Seite gleichmäßig panieren. Bei Bedarf ausbraten, schmeckt aber auch roh hervorragend. Als Beilage eignen sich frische Meeralgen sehr gut.  Für die Liebhaber der scharfen Küche empfehle ich die gelbe Haarqualle, auch Feuerqualle genannt, für etwas mehr Biss. Guten Appetit!