Aus der Kategorie : Lebensweisheiten

Da ich ja nun schon wieder älter werde, dachte ich es ist mal an der Zeit ein paar Lebensweisheiten in die Welt zu posaunen und euch vor vermeidbaren Fehlern zu bewahren. Also, aufgepasst:

 

1. die Toilette wird sich auch beim zweiten Spülen nicht auf magische Weise selbst reinigen. Das funktioniert einfach nicht. Das hat noch nie geklappt und wird auch niemals klappen, es sei denn man hat magische Kräfte oder einen Hochdruckreiniger installiert. Lasst es einfach.

 

2. Bananen und Zitronen werden niemals im harmonischen Einklang zusammenzubringen sein. Ärger!

 

3. Alle haben  gesagt „das geht nicht“. Dann kam einer, der wusste das nicht, machte es, und es ging nicht.

 

4. Ein Eimer mit Dreck kann ein Goldstück enthalten, und ein Eimer mit Gold kann sich als Falschgeld herausstellen. Meistens stellt sich aber der Eimer mit Dreck  als ein Eimer mit Scheiße heraus.

 

5. Murphy lässt sich nicht betrügen. Dein Brot wird immer mit der bestrichenen Seite herunterfallen. Akzeptiere es einfach.

 

6. Wer kiloweise Steine mit sich herum trägt, riskiert einen vorzeitigen Bandscheibenvorfall. Die Vergangenheit ist vergangen und sollte es auch bleiben. Es sei denn man war gerade in der Karibik, dann nicht.

 

7. Schon Marc Terenzi hat einst gesagt: Die Rägeln sind die Rägeln sind die Rägeln. Halte dich daran und alles wird gut. Halte dich nicht daran und es wird vielleicht besser. Vielleicht auch nicht.

 

 

8. Du musst nicht akzeptieren was dir partout nicht passt. Kämpfe dafür. Nicht um die Sache zu ändern, sondern um dich im Spiegel anzuschauen ohne zu kotzen. Es sei denn du hast Magen Darm, dann musst du sowieso kotzen.

 

 

9. Wenn du spät Abends auf einer einsamen Landstraße fährst, wirst du niemals ein Auto vor dir haben, wohl aber 20 hinter dir und sämtliche Waldbewohner haben sich versammelt um vor dir die Straße zu überqueren. Das wird einfach immer so sein. Lebe damit!

 

10. Mach deine technischen Geräte zu intelligenten Wesen und ärgere sie. Lege zum Beispiel nur einen Socken in die Waschmaschine. Sie wird verwirrt sein!

 

 

11. Versendet verdammt noch mal keine 5 minütigen Sprachnachrichten. Keiner, wirklich KEIN MENSCH will das hören. Was zur Hölle stimmt nicht mit euch?

 

 

12. Es wird niemals ein Weihnachtsfest ohne wenigstens einen Eklat geben. Eben weil es das Fest der Liebe ist. Außerdem ist außerplanmäßiges Schenken viel freudiger. Es sei denn man verschenkt Socken. Dann nicht.

 

 

13. Besoffene und Kinder sagen immer die Wahrheit. Wir hatten also letzte Nacht Außerirdische im Garten die Spaghetti mit Tomatensauce auf der Schaukel gekocht haben und dabei “ Hey ho, spann den Wagen an“ sangen. Außerdem lebt in meiner Küche ein Keksvernichter.

 

 

14. Jede Nacht muss irgendwann sterben.

 

 

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Privilegiert

Triggerwarnung!

 

 

-In einem kleinen Dorf in Namibia leben Nuka und Jamal mit ihrer Familie in einer kleinen Hütte. Das Mädchen ist 2, der Junge 3 Jahre alt. Sie sind Geschwister. Die nächste Wasserstelle ist einen Kilometer entfernt, sie haben keine sanitären Anlagen, keinen Kühlschrank. Die Männer sind tagsüber bei den Ziegen auf der Weide. Von den Tieren lebt das Dorf, sie haben nicht viel, aber es reicht für alle.

 

-In einem Ort bei Frankfurt leben Kevin und Tobias mit ihrer Mutter in einem Mehrfamilienhaus. Kevin ist 3 Jahre alt, sein Bruder zwei. Wasser ist jederzeit aus dem Hahn verfügbar, und auch sonst gibt es alles was man zum überleben braucht und noch viel mehr. Die Großmutter der Kinder wohnt gleich im Haus nebenan. Vor der Tür ist ein Spielplatz.

 

-Nuka und Jamal spielen vor der Hütte mit Steinen. Sie werfen die kleinen Kisel in eine Schale, wenn sie treffen ist die Freude groß. Etwas weiter entfernt sitzt die Uroma der Kinder und beobachtet sie zufrieden, die Frauen stehen an Krügen und schlagen Getreide, um sie herum wuseln Kleinkinder.

 

-Kevin und Tobias sitzen vor dem Fernseher. Sie langweilen sich. Kevin fängt an Tobias zu ärgern. Die Mutter telefoniert mit ihrem neuen Freund. Zweimal dachte sie es wäre Liebe, zweimal wurde sie enttäuscht. Jetzt ist es anders, das ist der Richtige. Sie wünscht es sich so sehr. Mehr als alles andere. Sie verabschiedet sich von den Kindern und lässt diese allein in der Wohnung zurück.

 

-In Namibia sind die Frauen zum Wäsche waschen an den Fluss gegangen. Die Kinder sind dabei. Nuka und Jamal haben sich ein wenig entfernt und planschen am Ufer. Jamal geht ein wenig zu weit ins Wasser. Der 16 jährige pubertierende Amani kommt rüber und holt ihn aus dem Wasser, dann spielt er mit den Kindern. Nicht weil er muss, weil er es möchte. Er ist nicht verwandt mit den beiden. Der Fluss war in einem Jahr ausgetrocknet, das war eine schwere Zeit für das gesamte Dorf.

 

-Die Großmutter von Kevin und Tobias sagt, die Mutter wäre schon immer einfach abgehauen wenn es schwierig wurde, das kennt man schon. Die Mutter der Kinder sagt, sie wäre immer weggelaufen wenn es schwierig wurde, und hatte gehofft die Eltern würde sie suchen, und sich freuen wenn sie wieder da war. Es suchte sie niemand, und es freute sich niemand. Kevin und Tobias weinen, sie sind alleine.

 

-Die Frauen sind in das Dorf zurück gekehrt und sitzen nun gemeinsam im Schatten und plaudern, während sie Kleidung ausbessern. Jamals Freundin Aila sitzt bei ihrer Mutter und nuckelt an der Brust, Jamal kommt dazu und nuckelt ebenfalls. Es ist nicht seine Mutter, aber das stört hier niemanden. Die Mütter haben genug Milch für alle Babys.

 

-Kevin und Tobias sind nun schon 2 Tage alleine, die Mutter ist nicht zurückgekehrt. Sie haben im Schrank Getränkepäckchen gefunden und Joghurt im Kühlschrank. Sie schreien, sie haben Angst. Die Nachbarn sagen, natürlich haben sie die Kinder schreien gehört, aber die haben ja immer geschrien, da wollten sie sich nicht einmischen, war ja nicht ihre Sache. Die Großmutter sagt das Verhältnis zu den Enkeln war herzlich, man hat sich täglich gesehen, auf dem Spielplatz oder wenn sie ihnen mal  Schokolade zusteckte. Auch an Tag drei und vier bleiben Kevin und Tobias alleine.

 

-in Nambia jagen Jamal und seine Schwester ein Huhn, das Huhn gackert laut, die Kinder ebenfalls. Es ist staubig und trocken. Die Frauen bereiten das Essen zu, während ein Baby beim Krabbeln auf die Nase plumpst und weint. Jamal läuft hinüber und streichelt ihm über das Köpfchen, die Mutter des Babys nimmt beide auf den Schoß und singt ein Lied.

 

-Nach 8 Tagen sind die Vorräte aus den Schränken aufgebraucht. Kevin und Tobias sind dreckig und nackt, sie schaffen es noch nicht den Wasserhahn aufzudrehen, sie sind durstig, sie schaffen es auch nicht die Tür zu öffnen. Sie hämmern weinend gegen die Tür, dann stellen sie sich mit Löffeln ans Fenster und klopfen dagegen. Die Nachbarn sagen, natürlich haben sie das gesehen, auch das die Kinder nackt waren, aber da haben sie sich nichts weiter bei gedacht. Aber das Jugendamt wollten sie informieren. Auch andere Nachbarn wollten das. Das Jugendamt sagt, es gab keinen Anruf.

 

 

-Alle Dorfbewohner sitzen zusammen und essen gemeinsam aus einer riesigen Pfanne. Nuka und Jamal sind mitten dabei und schieben mit kleinen, dreckigen Händen die Mahlzeit in ihren Mund. Es wird geplaudert und gelacht, auch die Männer sind zurück und erzählen von ihrem Tag. Ein Feuer brennt, es ist bereits dunkel geworden. Die Mutter von Jamal hilft einem älteren Herrn beim essen, er schafft es nicht mehr allein, seine Frau ist früh gestorben, medizinische Versorgung ist hier schwierig.

 

 

-Kevin und Tobias weinen nicht mehr.  Die ganze Wohnung ist verunreinigt, beide Kinder sind noch Windelträger. Kevin ärgert Tobias auch schon lange  nicht mehr, er hält seinen Bruder im Arm. Die Großmutter hat die Enkel nun fast zwei Wochen nicht gesehen. Sowie die Freundinnen der Mutter und die Nachbarn, und der Postbote und der Mann von der Müllabfuhr.

 

 

-In Namibia ist es Nacht geworden. Die Familie zieht sich in die kleine Hütte zurück. Hier schlafen 6 Menschen auf  10 Quadratmetern. Die Kinder kuscheln sich zwischen die Erwachsenen. Niemand weint, es ist friedlich, und so schlafen sie auch ein. Mit nichts außer sich selbst.

 

 

-Kevin und Tobias sind tot. Als sie nach 2 Wochen endlich gefunden werden hinter dem Sofa gekauert,  hat Kevin lauter Bissspuren an den Beinen. Sie stammen von Tobias. Kevin hat keine Verletzungen. Beide Kinder sind verdurstet. Die Mutter ist immer noch immer nicht zurück gekehrt.

 

 

Ganz Deutschland ist schwer schockiert, einschlägige Zeitungen haben die Schuldige schnell an den Pranger gestellt. Doch wer ist hier wirklich schuld? Die Mutter? Die Großmutter? Die Nachbarn?

Ich sage du bist schuld!Und ich bin schuld, und alle da draußen, die sich täglich denken “ das ist nicht mein Problem, was geht mich das an, nicht mein Bier“.

Deutschland ist ein reiches Land, hier ist alles immer und jederzeit verfügbar. Wir definieren uns über das was wir haben, was wir verdienen und nicht wer wir sind. Das Auto des Nachbarn, der Fernseher vom Freund, der akademische Grad.Wer bist du? Die meisten wissen nicht mal wer sie sind. So am i.

Der erste Satz, wenn wir jemanden kennenlernen ist meist „und, was machst du so?“. Erst einmal den gesellschaftlichen Status durchleuchten, dann selektieren. Erfolg macht sexy, Intelligenz macht sexy, aber Intelligenz hat nichts mit Wissen zu tun. Intelligenz kann gut, oder schlecht eingesetzt werden. Materielle Dinge sind nichts als Schein, eine Sinnestäuschung für Andere, um etwas zu sein, Jemand.

Welches Land ist nun also privilegiert? Jenes, das alles hat außer Menschlichkeit, oder das, was nichts hat außer Menschlichkeit?

Natürlich können wir nicht die ganze Welt retten, aber wenn wir nur einmal anstatt „ist nicht mein Problem“ , „wie kann ich hier helfen“ denken, dann hat irgendwo ein Schmetterling seine Flügel zusammengeschlagen. Es sind nicht alle Menschen so, auch hier gibt es noch Menschlichkeit, aber das Gefühl der Kälte breitet sich zunehmend aus.

 

Seit Jahren haben wir Angst davor einst von Maschinen ersetzt zu werden und überflüssig zu werden, dabei sind wir das doch schon längst. Maschinen, die ihr selbst ersetzt haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heimatgefühle

Eine kleine Hommage an die „Familie“. Prosa wäre zu schade für diesen Ort der Mystik!

 

Des Sommers sanfte,warme Brise,

der Duft einer blühenden Sommerwiese.

Gesang von tausend froh jauchzend Getier,

warum kann ich nicht dort sein, sondern bin hier?

 

An jenem Ort wo die Sonne nie scheint,

wo Dunkelheit teuflisch mit Pein sich vereint.

Aus Tiefen und Höhen,

der Wand kahler Ritzen,

schlüpfen sie nun hervor, um zu geißeln, zu schlitzen.

Ich höre sie kratzen und kriechen und höhnen,

des Todes sich labend, dem Blutrausche frönen.

 

Dämonen der Hölle, so hässlich wie alt,

Verderben umdrängt mich, es jault und es hallt.

Schmettert Elend und Marter aus Gängen und Wänden,

die einer wie alle im Höllenschlund enden.

 

Blutdürstige Fratzen, abscheulich Gebein,

sie stopfen, sie schmatzen, sie schlingen hinein.

 

Ruchlose Residenz stets währender Nacht,

ein Engel der Finsternis todbringend wacht.

In jeglichen Winkeln das Böse entkeimt,

Verdammung und Drangsal auf ewig vereint.

 

Ich höre ihr Rufen, ihr Bitten und Flehen,

und weh mir, vollziehe ich selbst das Geschehen.

Die Begierde nach Blut, ein wüstes Verlangen,

ich massakriere und schlucke, mitnichten befangen.

Die Seele sie kreischt, welch herrlicher Schmaus,

Niemals will ich fort, dies ist mein Zuhaus.

Ich beuge mich tief, flüster leis zu ihm hin,

„Willkommen seist du, im Dark Angels Inn!

 

Beitragsbild: Copyright „Filmpark Babelsberg GmbH“

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach Jahren fand man in der Kiste…

    • Vorweg: das hier muss nicht gelesen werden,  ist quasi nur für mich.  Beim Aufräumen fand ich eine Anthologie, in welcher eine meiner Kurznachrichten verlegt wurde.  Zu meiner Überraschung waren es aber zwei Geschichten.  Diese hier war völlig aus meinem Kopf verschwunden, um so erfreuter war ich sie zu lesen.  Und ich mag sie irgendwie.  Also hier ist das wunderbare Exemplar aus dem Jahr 2004, nur fotografiert, weil zu faul zum abtippen.  Und wie gesagt,  sie existierte bis gerade nicht mehr.

Am Ende der Hoffnung

Da ist er, der all jährige Weihnachtsblog, viel Vergnügen?!

Vor geraumer Zeit sah ich eine Dokumentation über die Golden Gate Bridge. Dort wurden an verschiedenen Stellen Kameras installiert, ein Filmteam war täglich vor Ort und am Ende entstand der Domkumentarfilm (The Bridge), welcher von Menschen berichtet, die an dieser Stelle in den Tod sprangen. 24 menschliche, fühlende Personen im Jahr 2004 fanden hier das Ende ihres Leids.

Was sie dazu bewogen hat, warum sie keine Hoffnung mehr sahen, ich kann es nicht erklären, der Film versucht es zu vermitteln, aber am Ende bleiben doch nur Fragezeichen darüber was sich in ihrem Inneren bewegt haben muss, oder zu einem endgültigen Stillstand kam.

Aber man bekommt eine Idee davon, wie es dazu kommen konnte, wenn man diesen Film sieht, und es schmerzt. Jede Minute dieser Doku stellt die Worte „human beeing“ konstant in Frage.

Denn die Menschen kommen nicht einfach, klettern über den Zaun und springen. Sie ringen mit sich, gehen auf und ab, stehen sehr lange an der Brüstung bevor sie springen. Warum zögern sie? Sie warten wahrscheinlich darauf gesehen zu werden, das Gefühl, doch nicht allein zu sein in einem Universum aus Einsamkeit des Einzelnen in einer überbevölkerten Welt. Gesehen von denen, die an ihnen vorbei gehen. Die sie ansehen und weiter laufen. Die mit ihrem Auto vorbei fahren. Einfach ihres Weges. „Nicht mein Bier“. Und es sind ein Menge, die vorbei ziehen in diesem Film, sehr viele Statisten im Drama des Lebens. Manche bleiben sogar einige Meter weiter stehen, um sich genau anzusehen was passiert. Und jeder von ihnen hat die Person wahr genommen, die dort steht und wartet, in einem letzten Akt von Hoffnung.

Schuld ist in diesem Augenblick ein schweres Wort. In einem Moment solcher Verantwortung, auf die man nicht vorbereitet ist, kommt unser eigenes innerstes Ich, das Über- Ich  zum Vorschein, welches unserer Moral entspricht und was wir so gern betrügen. Täglich .

Indem wir von A nach B hetzen, Arbeit, Hobby, Haushalt, Einkaufen bleibt unsere Menschlichkeit auf der Strecke. Weil wir einfach keine Zeit haben Dinge außerhalb unseres Kosmos wahrzunehmen. Und wenn wir die Zeit hätten, am Abend, am Morgen, am Mittag- wann auch immer, dann ballern wir uns zu mit Netflix, Facebook, Handy und Co., lassen das Über-Ich verkümmern und es bleibt nicht mal ein Ich, nein, wir werden zu einer Welt voller „Es“, Roboter in menschlicher Hülle, reduziert auf Bedürfnisbefriedigung.

Menschlichkeit will gefüttert werden. Wo wir bei der Besinnung angekommen wären. Besinnlichkeit bedeutet nicht einmal im Jahr an andere zu denken, oder das teuerste Weihnachtsgeschenk zu kaufen, weil nur teuer  Bedeutung zum Ausdruck bringt. Es beutet Selbstreflexion. Und diese sollte ständig stattfinden, eben damit wir menschlich bleiben und nicht zu monotonen Wesen degradieren, in einer Welt voller Wut und Hass.

Hass bringt uns nicht weiter auf unserem Weg zu einem erfüllteren Leben. Wut macht nicht glücklich. Ist das miese Gefühl der Ungerechtigkeit verschwunden, wenn wir Profile hacken, die Identität anderer annehmen und in deren Leben rumpfuschen? Wenn wir dem Ex immer und immer wieder kleine Steine in den Weg werfen, weil er unseren Stolz verletzt hat? Wenn wir andere Personen verletzten, nur weil wir selbst verletzt wurden? Nein, das ist es nicht. Es ist als wolle man ein Buschfeuer mit einer Wasserpistole löschen. Es braucht keine Gewalt um Dinge zu ändern, und es gibt keine Befriedigung indem man Schmerz weiter gibt.  Man muss akzeptieren was man nicht ändern kann, und ändern, was man nicht akzeptieren kann. Und dazu werden nur zwei Dinge benötigt. Zeit und aktives Denken.

Zeit für sich selbst und sein Über-Ich. Ohne Bewusstseins betäubende Dinge denken. Alleine sein heißt nicht einsam sein, sondern zu sich selbst zu finden. Wenn wir aus unserem kleinen Alltag ausbrechen, uns offen neuen Dingen widmen, die da sind, uns aber nie interessiert haben, dann füttern wir die Menschlichkeit. Wenn wir uns besinnen und Sachen Aufmerksamkeit schenken, die zwischen den Zeilen passieren und nicht offensichtlich sind wie ein Felsbrocken auf der Straße, wenn wir Masken auf Gesichtern erkennen, dann sind wir auf einem guten Weg an der Brücke nicht weiter zu gehen. Stehen zu bleiben und ganz ohne viele Worte Leben zu retten.

Am Ende der Hoffnung befindet sich kein unüberwindbarer Berg, kein endlos tiefes Meer, keine Tür ohne Griff und keine ewige Stille in einem Raum voller Lärm. Es ist Grau am Ende der Hoffnung. Aber in dem Grau befinden sich unzählige Spektren, sie sind da, in allen Farben, man muss sich nur die Zeit nehmen, um genau hinzusehen.

I am a River.

Frohe Weihnachten!

 

 

-Don’t you know
They’re talkin‘ about a revolution
It sounds like a whisper- T.C.

 

Tote Mädchen lügen nicht- eine Rezension, oder: die Vergänglichkeit des Lebens

Das ich diese Serie gesehen habe ist schon einige Wochen her, ich wollte etwas Zeit vergehen lassen, um neutral darüber schreiben zu können, aber ich bin immer noch wütend. Man könnte diesen Artikel auch anlehnend an den letzten Blog sehen, ich bekam sehr viele böse Kommentare, und das ist gut. Ihr könnt mich gern beschimpfen so viel ihr wollt, wenn polarisieren bedeutet, dass auch nur ein Leser über das System nachdenkt, dann ist es gut.

Die Serie handelt von dem Suizid eines Mädchens, welche vorab auf Kassetten ihren Leidensweg dokumentierte, welche nach ihrem Tod von all ihren Peinigern angehört werden sollen. Durch die Serie führt der Hauptprotagonist, welcher die Kassetten anhört und somit die Geschichte erzählt. Das Zielpublikum sollen hierbei Jugendliche sein. Der Produzent, oder die Produzenten  der Serie behaupten, sie hätten diese Serie aus Präventionsgründen gedreht, und um zu zeigen wie schmerzhaft der eigene Tod ist.

Da ich selbst zu diesem Thema vorbelastet bin, kann ich sehr gut beurteilen, dass diese Aussage eine ganz große Lüge ist. Hier geht es nicht um Vorbeugung, sondern um Quote. Ich bin erwachsen, und selbst ich bin mit einem schlechten Gefühl aus der Serie gegangen, wie muss es dann erst einem Jugendlichen gehen, dem sowieso schon täglich sämtliche Synapsen durch knallen? Der Suizid wird hier romantisch dargestellt, der Hauptcharakter selbst ist der einzig „Unschuldige“, der in das Mädchen verliebt war, welches sich das Leben nahm. Der Zuschauer wird auf einen emotionalen Trip von Liebeskummer und Schmerz geschickt. Der Suizid an sich wird voll gezeigt, allerdings nicht schmerzhaft wie es nun mal ist, wenn man stirbt, sondern ruhig. Die Schuld wird hier an alle Personen weiter gereicht, nur nicht an sie selbst. Und beendet wird die Serie nicht mit Freude oder etwas Lebensbejahendem, sondern mit trauriger Musik. Hier hat jemand eine gute Buchvorlage genommen, um daraus den meist möglichen Profit geschlagen. Man hätte das Thema auch anders behandeln können. Ehrlich. Und schützend. Das ist hier nicht passiert.

Denn Suizid ist nicht romantisch. Er ist auch nicht traurig, nicht dramatisch und auch nicht heroisch. Eigentlich gibt es kein Wort welches ihn richtig umschreibt. Es ist mehr so Death Metal. Laut, unharmonisch und irgendwie falsch.

Wer Suizid begeht, ist ein Mörder. Denn derjenige stirbt nicht allein, alle Menschen aus dem nähren Umfeld werden ebenfalls ausgelöscht. Den Menschen davor gibt es nicht mehr, sie werden niemals wieder sein was sie vorher waren. Und es gibt auch keine Genugtuung, wie in der Serie vermittelt wird. Wenn man nicht mehr da ist, sieht man den Schmerz der anderen nicht, oder die Schuldgefühle, die Betroffenheit. Man ist einfach nicht mehr da. Es gibt kein „lass uns noch mal reden“ mehr, es gibt kein „lass mich noch mal deine Hand halten“ mehr, es gibt kein Morgengrauen mehr, kein Blick, kein Atmen, nur noch Stille und für immer unbeantwortete Fragen.

Und die Schuld, sie wiegt wie Felsbrocken auf den Schultern der Hinterbliebenen, jeder hinterfragt sich selbst immer und immer wieder, auch wenn er vielleicht gar nichts falsch gemacht hat. Wir alle fühlen Schmerzen, mal mehr mal weniger, und manchmal so schwer das wir denken, es wäre das einfachste nicht mehr auf zu wachen. Aber Schmerz ist wichtig. Das menschliche Gehirn speichert negative Erfahrungen gewichtiger als positive, weil wir uns dadurch weiter entwickeln sollen, lernen, es nächstes Mal besser zu machen. Schmerz soll uns stark machen. Stark für Situationen, die noch mehr Stärke erfordern.  Daran zu zerbrechen ist so nicht vorgesehen.

Und deshalb ist die einzige wirkliche Vorbeugung aufmerksam durchs Leben zu gehen. Wir wissen niemals welche Kämpfe der fluchende Mann im Auto vor uns gerade durchsteht. Wir wissen nicht, was die Frau mit Lockenwicklern im Bus gerade durchmacht. Vorurteile sind scheisse, Vorsicht nicht verkehrt. Man sollte auf sein Bauchgefühl hören und freundlich sein, etwas mehr Freundlichkeit schadet wirklich niemandem. Und wenn wir Zeuge von Ungerechtigkeiten werden, dann sind wir verpflichtet nach unserem best möglichen einzugreifen, damit man sich selbst noch im Spiegel anschauen kann.

Wer mit dem Gedanken spielt sein Leben zu beenden, der sollte mal eine Liste erstellen. Auf der einen Seite steht der endende Schmerz. Der hört auf, das ist richtig. Auf der anderen Seite steht Schokoladeneis, Sonne, Kino, Sommer,  Sprünge ins Meer, Küsse im Regen, Weihnachtsplätzchen, Lagerfeuer, das Rauschen der Blätter, laute Musik, Achterbahnen, Liebe, der Duft von nasser Sommerluft… die Liste ist unendlich fortsetzbar. Es ist nicht wichtig Jemandem zu gefallen, man muss sich selbst gefallen.

Die Serie vermittelt dem Zuschauer, dass es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gab, als sich das Leben zu nehmen. Das verurteile ich. So was kann man einfach nicht in dieser Form zeigen. Es gibt immer einen Weg, und es gibt immer Jemanden, dem man etwas bedeutet. Immer. Und an Denjenigen sollte man sich wenden, daran festhalten. Denn, es wird besser. Immer. Und irgendwann blickt man zurück, und stellt fest, dass man aus dem ganzen Schmerz auch etwas positives gezogen hat.

Die Serie zu verbieten würde nicht viel Sinn machen, den verbotenes ist erst recht interessant, aber es sollte eine eindeutige Warnung ausgesprochen werden, das ist wirklich das Mindeste. Suizid bringt wirklich Niemandem irgendwas außer Kummer, Leid und Dunkelheit.

Hurra, endlich Schulkind!

Morgen ist Einschulung. Kind aufgeregt, Eltern aufgeregt, ganze Stadt aufgeregt. Hat sich vielleicht mal irgendjemand gefragt, warum wir das eigentlich so groß feiern? Ich meine mal ehrlich, Schule ist scheiße.  Wirklich. Oder gibt es hier jemanden, der von sich behaupten kann, dass die Zeit nach dem Kindergarten in der Schule die beste Zeit seines Lebens war? Wohl kaum.

Dabei können sich Eltern eigentlich nur die Frage stellen: „Ist mein Kind jenes, welches demnächst mit dem Kopf ins Klo getaucht wird, oder ist mein Spross derjenige, der andere Kinder ins Klo taucht?“ Ok, ganz so schlimm ist es nicht, aber die Kleinen gehen freudestrahlend mit ihrer Schultüte los, um dann zwei Wochen später nicht mehr hin zu wollen/ weinend vor dem Schultor stehen/ erster Anruf vom Lehrer. Weil? Schule scheiße ist!

So verbringen wir Wochen damit, unserem Kind vorzugaukeln, wie toll es in der Schule ist, Lesen, Rechnen, etc., machen eine Riesenparty. Und dann? Möchte das Kind wieder in den Kindergarten. Ist aber nicht! Wir haben dich voll verarscht. Und wundert es da noch jemanden, wenn wir bei unseren Kindern in der Pubertät das Hassobjekt Nummer 1 werden? Wir haben denen nichts als Mist und Unwahrheiten erzählt. Weihnachtsmann, Nikolaus, Schule ist toll, Kinder kommen vom Storch…die haben alles Recht der Welt, uns blöde zu finden. Und dabei wollen wir sie ja nur beschützen. Das Unangenehme so angenehm wie möglich machen. Quasi so, als würde ein Hundehalter jeden Hundehaufen mit einer Blume bestücken. Ist aber dann immer noch scheiße. Mit Blume.

Und für uns Eltern ist jetzt auch Schluss mit lustig. Fängt schon beim Einschlagen der Bücher an. Gibt es dafür einen Volkshochschulkurs oder so? Schafft es hier irgendjemand, Bücher zu verkleiden, ohne dass man sie hinterher nicht mehr schließen kann, oder dass sie keine Falten oder Blasen werfen? Dieses Mysterium werde ich nie ergründen, ich bin einfach zu blöde.

Und all die Erstkindereltern, nachdem ihr nun alle Schulsachen einzeln mit Namen bestückt habt – weil von der Schule gewünscht – vergesst es, das war nur eine Beschäftigungstherapie für euch, die Sachen sind trotzdem nach einer Woche weg. Und unauffindbar. Falls ihr euch schon immer gefragt habt, was sich hinter der immer verschlossenen Tür in der Schule befindet: Ein schwarzes Loch! Darin verschwinden Stifte, einzelne Schuhe, Mützen, Handschuhe, Brillen, Uhren, ALLES. Bis auf KiK Jacken, die mögen das schwarze Loch nicht. Deshalb nähe ich in die gute Winterjacke einfach ein KiK Emblem ein. Funktioniert.

Und das liebevolle Broteschmieren mit Gurkentieren und ausgestanzten Broten werdet ihr euch auch schnell abgewöhnen, wenn ihr zum zwanzigsten Mal die volle, zermatschte Dose aus der Tasche gefischt habt, oder, wenn ihr es vergesst, die volle, zermatschte Dose mit Fell. Was natürlich eure Schuld ist.

Dann die wunderbaren Elternabende nicht zu vergessen. Sollen eigentlich eine Stunde dauern, sind aber immer mindestens zwei bist drei, weil es immer Eltern gibt, die in der ersten Klasse schon wissen wollen, wie das denn mit dem Übergang ins Gymnasium ist, ob es nicht sinnvoll ist, jetzt schon mal Spanisch zu lernen, und ob es statt Hofpause auch einen Aufenthaltsraum für besonders Begabte – zum Lernen – gibt.

Nicht zu vergessen das ständige Einsammeln von Geld. Fahrt zur Bücherei, 5 Euro. Kuchenbasar, 5 Euro für Wertmarken plus einen Kuchen bitte, damit ich den Kuchen dann doppelt bezahlen kann.  Ausflug zur Müllkippe, 10 Euro bitte. Ich meine, es hat schon einen Sinn, immerhin fand ich es dort damals offenbar so toll, dass ich mich heute in meiner privaten Müllkippe sehr heimisch fühle.

Schule ist schon toll. Nicht. Also lasst uns die Einschulung feiern, lasst es so richtig krachen! Es tut mir leid, aber irgendwie kommt mir immer wieder das Wort „Beerdigungsfeier“ in den Sinn. Ist ja auch eine Feier und gewisse Parallelen lassen sich nicht von der Hand weisen. Ich meine, das ist wie eine Beschneidungsfeier. „Hey, wir schneiden dir gleich ein Stück von deiner Vorhaut weg, das wird total klasse!“ Also, ich respektiere da alle religiösen Hintergründe, aber scheiße, das tut doch weh! Es ist, wie es ist, wir feiern den Gang zum Schafott. Ich weiß nicht, warum.

Und alle, die meinen, ich sei egoistisch und gemein, nein, natürlich bekommt mein Kind eine riesige Schultüte und seinen Lieblingskuchen und sein Lieblingsessen, wird schick angezogen und bekommt einen schönen Tag. Aber ich werde mich nicht mehr so ganz wundern, wenn er dann in der Pubertät ausrastet. „Biste alles selber schuld“, würde mein Großvater sagen. Ich wünsche euch eine schöne Einschulung.