Tote Mädchen lügen nicht- eine Rezension, oder: die Vergänglichkeit des Lebens

Das ich diese Serie gesehen habe ist schon einige Wochen her, ich wollte etwas Zeit vergehen lassen, um neutral darüber schreiben zu können, aber ich bin immer noch wütend. Man könnte diesen Artikel auch anlehnend an den letzten Blog sehen, ich bekam sehr viele böse Kommentare, und das ist gut. Ihr könnt mich gern beschimpfen so viel ihr wollt, wenn polarisieren bedeutet, dass auch nur ein Leser über das System nachdenkt, dann ist es gut.

Die Serie handelt von dem Suizid eines Mädchens, welche vorab auf Kassetten ihren Leidensweg dokumentierte, welche nach ihrem Tod von all ihren Peinigern angehört werden sollen. Durch die Serie führt der Hauptprotagonist, welcher die Kassetten anhört und somit die Geschichte erzählt. Das Zielpublikum sollen hierbei Jugendliche sein. Der Produzent, oder die Produzenten  der Serie behaupten, sie hätten diese Serie aus Präventionsgründen gedreht, und um zu zeigen wie schmerzhaft der eigene Tod ist.

Da ich selbst zu diesem Thema vorbelastet bin, kann ich sehr gut beurteilen, dass diese Aussage eine ganz große Lüge ist. Hier geht es nicht um Vorbeugung, sondern um Quote. Ich bin erwachsen, und selbst ich bin mit einem schlechten Gefühl aus der Serie gegangen, wie muss es dann erst einem Jugendlichen gehen, dem sowieso schon täglich sämtliche Synapsen durch knallen? Der Suizid wird hier romantisch dargestellt, der Hauptcharakter selbst ist der einzig „Unschuldige“, der in das Mädchen verliebt war, welches sich das Leben nahm. Der Zuschauer wird auf einen emotionalen Trip von Liebeskummer und Schmerz geschickt. Der Suizid an sich wird voll gezeigt, allerdings nicht schmerzhaft wie es nun mal ist, wenn man stirbt, sondern ruhig. Die Schuld wird hier an alle Personen weiter gereicht, nur nicht an sie selbst. Und beendet wird die Serie nicht mit Freude oder etwas Lebensbejahendem, sondern mit trauriger Musik. Hier hat jemand eine gute Buchvorlage genommen, um daraus den meist möglichen Profit geschlagen. Man hätte das Thema auch anders behandeln können. Ehrlich. Und schützend. Das ist hier nicht passiert.

Denn Suizid ist nicht romantisch. Er ist auch nicht traurig, nicht dramatisch und auch nicht heroisch. Eigentlich gibt es kein Wort welches ihn richtig umschreibt. Es ist mehr so Death Metal. Laut, unharmonisch und irgendwie falsch.

Wer Suizid begeht, ist ein Mörder. Denn derjenige stirbt nicht allein, alle Menschen aus dem nähren Umfeld werden ebenfalls ausgelöscht. Den Menschen davor gibt es nicht mehr, sie werden niemals wieder sein was sie vorher waren. Und es gibt auch keine Genugtuung, wie in der Serie vermittelt wird. Wenn man nicht mehr da ist, sieht man den Schmerz der anderen nicht, oder die Schuldgefühle, die Betroffenheit. Man ist einfach nicht mehr da. Es gibt kein „lass uns noch mal reden“ mehr, es gibt kein „lass mich noch mal deine Hand halten“ mehr, es gibt kein Morgengrauen mehr, kein Blick, kein Atmen, nur noch Stille und für immer unbeantwortete Fragen.

Und die Schuld, sie wiegt wie Felsbrocken auf den Schultern der Hinterbliebenen, jeder hinterfragt sich selbst immer und immer wieder, auch wenn er vielleicht gar nichts falsch gemacht hat. Wir alle fühlen Schmerzen, mal mehr mal weniger, und manchmal so schwer das wir denken, es wäre das einfachste nicht mehr auf zu wachen. Aber Schmerz ist wichtig. Das menschliche Gehirn speichert negative Erfahrungen gewichtiger als positive, weil wir uns dadurch weiter entwickeln sollen, lernen, es nächstes Mal besser zu machen. Schmerz soll uns stark machen. Stark für Situationen, die noch mehr Stärke erfordern.  Daran zu zerbrechen ist so nicht vorgesehen.

Und deshalb ist die einzige wirkliche Vorbeugung aufmerksam durchs Leben zu gehen. Wir wissen niemals welche Kämpfe der fluchende Mann im Auto vor uns gerade durchsteht. Wir wissen nicht, was die Frau mit Lockenwicklern im Bus gerade durchmacht. Vorurteile sind scheisse, Vorsicht nicht verkehrt. Man sollte auf sein Bauchgefühl hören und freundlich sein, etwas mehr Freundlichkeit schadet wirklich niemandem. Und wenn wir Zeuge von Ungerechtigkeiten werden, dann sind wir verpflichtet nach unserem best möglichen einzugreifen, damit man sich selbst noch im Spiegel anschauen kann.

Wer mit dem Gedanken spielt sein Leben zu beenden, der sollte mal eine Liste erstellen. Auf der einen Seite steht der endende Schmerz. Der hört auf, das ist richtig. Auf der anderen Seite steht Schokoladeneis, Sonne, Kino, Sommer,  Sprünge ins Meer, Küsse im Regen, Weihnachtsplätzchen, Lagerfeuer, das Rauschen der Blätter, laute Musik, Achterbahnen, Liebe, der Duft von nasser Sommerluft… die Liste ist unendlich fortsetzbar. Es ist nicht wichtig Jemandem zu gefallen, man muss sich selbst gefallen.

Die Serie vermittelt dem Zuschauer, dass es wirklich keinen anderen Ausweg mehr gab, als sich das Leben zu nehmen. Das verurteile ich. So was kann man einfach nicht in dieser Form zeigen. Es gibt immer einen Weg, und es gibt immer Jemanden, dem man etwas bedeutet. Immer. Und an Denjenigen sollte man sich wenden, daran festhalten. Denn, es wird besser. Immer. Und irgendwann blickt man zurück, und stellt fest, dass man aus dem ganzen Schmerz auch etwas positives gezogen hat.

Die Serie zu verbieten würde nicht viel Sinn machen, den verbotenes ist erst recht interessant, aber es sollte eine eindeutige Warnung ausgesprochen werden, das ist wirklich das Mindeste. Suizid bringt wirklich Niemandem irgendwas außer Kummer, Leid und Dunkelheit.

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Hurra, endlich Schulkind!

Morgen ist Einschulung. Kind aufgeregt, Eltern aufgeregt, ganze Stadt aufgeregt. Hat sich vielleicht mal irgendjemand gefragt, warum wir das eigentlich so groß feiern? Ich meine mal ehrlich, Schule ist scheiße.  Wirklich. Oder gibt es hier jemanden, der von sich behaupten kann, dass die Zeit nach dem Kindergarten in der Schule die beste Zeit seines Lebens war? Wohl kaum.

Dabei können sich Eltern eigentlich nur die Frage stellen: „Ist mein Kind jenes, welches demnächst mit dem Kopf ins Klo getaucht wird, oder ist mein Spross derjenige, der andere Kinder ins Klo taucht?“ Ok, ganz so schlimm ist es nicht, aber die Kleinen gehen freudestrahlend mit ihrer Schultüte los, um dann zwei Wochen später nicht mehr hin zu wollen/ weinend vor dem Schultor stehen/ erster Anruf vom Lehrer. Weil? Schule scheiße ist!

So verbringen wir Wochen damit, unserem Kind vorzugaukeln, wie toll es in der Schule ist, Lesen, Rechnen, etc., machen eine Riesenparty. Und dann? Möchte das Kind wieder in den Kindergarten. Ist aber nicht! Wir haben dich voll verarscht. Und wundert es da noch jemanden, wenn wir bei unseren Kindern in der Pubertät das Hassobjekt Nummer 1 werden? Wir haben denen nichts als Mist und Unwahrheiten erzählt. Weihnachtsmann, Nikolaus, Schule ist toll, Kinder kommen vom Storch…die haben alles Recht der Welt, uns blöde zu finden. Und dabei wollen wir sie ja nur beschützen. Das Unangenehme so angenehm wie möglich machen. Quasi so, als würde ein Hundehalter jeden Hundehaufen mit einer Blume bestücken. Ist aber dann immer noch scheiße. Mit Blume.

Und für uns Eltern ist jetzt auch Schluss mit lustig. Fängt schon beim Einschlagen der Bücher an. Gibt es dafür einen Volkshochschulkurs oder so? Schafft es hier irgendjemand, Bücher zu verkleiden, ohne dass man sie hinterher nicht mehr schließen kann, oder dass sie keine Falten oder Blasen werfen? Dieses Mysterium werde ich nie ergründen, ich bin einfach zu blöde.

Und all die Erstkindereltern, nachdem ihr nun alle Schulsachen einzeln mit Namen bestückt habt – weil von der Schule gewünscht – vergesst es, das war nur eine Beschäftigungstherapie für euch, die Sachen sind trotzdem nach einer Woche weg. Und unauffindbar. Falls ihr euch schon immer gefragt habt, was sich hinter der immer verschlossenen Tür in der Schule befindet: Ein schwarzes Loch! Darin verschwinden Stifte, einzelne Schuhe, Mützen, Handschuhe, Brillen, Uhren, ALLES. Bis auf KiK Jacken, die mögen das schwarze Loch nicht. Deshalb nähe ich in die gute Winterjacke einfach ein KiK Emblem ein. Funktioniert.

Und das liebevolle Broteschmieren mit Gurkentieren und ausgestanzten Broten werdet ihr euch auch schnell abgewöhnen, wenn ihr zum zwanzigsten Mal die volle, zermatschte Dose aus der Tasche gefischt habt, oder, wenn ihr es vergesst, die volle, zermatschte Dose mit Fell. Was natürlich eure Schuld ist.

Dann die wunderbaren Elternabende nicht zu vergessen. Sollen eigentlich eine Stunde dauern, sind aber immer mindestens zwei bist drei, weil es immer Eltern gibt, die in der ersten Klasse schon wissen wollen, wie das denn mit dem Übergang ins Gymnasium ist, ob es nicht sinnvoll ist, jetzt schon mal Spanisch zu lernen, und ob es statt Hofpause auch einen Aufenthaltsraum für besonders Begabte – zum Lernen – gibt.

Nicht zu vergessen das ständige Einsammeln von Geld. Fahrt zur Bücherei, 5 Euro. Kuchenbasar, 5 Euro für Wertmarken plus einen Kuchen bitte, damit ich den Kuchen dann doppelt bezahlen kann.  Ausflug zur Müllkippe, 10 Euro bitte. Ich meine, es hat schon einen Sinn, immerhin fand ich es dort damals offenbar so toll, dass ich mich heute in meiner privaten Müllkippe sehr heimisch fühle.

Schule ist schon toll. Nicht. Also lasst uns die Einschulung feiern, lasst es so richtig krachen! Es tut mir leid, aber irgendwie kommt mir immer wieder das Wort „Beerdigungsfeier“ in den Sinn. Ist ja auch eine Feier und gewisse Parallelen lassen sich nicht von der Hand weisen. Ich meine, das ist wie eine Beschneidungsfeier. „Hey, wir schneiden dir gleich ein Stück von deiner Vorhaut weg, das wird total klasse!“ Also, ich respektiere da alle religiösen Hintergründe, aber scheiße, das tut doch weh! Es ist, wie es ist, wir feiern den Gang zum Schafott. Ich weiß nicht, warum.

Und alle, die meinen, ich sei egoistisch und gemein, nein, natürlich bekommt mein Kind eine riesige Schultüte und seinen Lieblingskuchen und sein Lieblingsessen, wird schick angezogen und bekommt einen schönen Tag. Aber ich werde mich nicht mehr so ganz wundern, wenn er dann in der Pubertät ausrastet. „Biste alles selber schuld“, würde mein Großvater sagen. Ich wünsche euch eine schöne Einschulung.

 

Willkommen in der Matrix!

Manchmal frage ich mich was wäre, wenn die Welt um mich herum nicht existieren würde. Also alles was ich sehe, entspringt meinem Kopf, sobald ich mich umdrehe, existiert das hinter mir nicht mehr, die Menschen mit denen ich agiere existieren nur, solange sie direkt vor mir stehen. Es ist meine Welt, ähnlich wie in der Matrix und ich bin allein.

Und da es meine Welt ist, passiert mir auch nichts. Ich lesen furchtbare Dinge in der Zeitung, und habe Angst, aber ganz tief im Inneren denke ich „das passiert mir nicht“. In der Jugend denkt man sowieso man sei unsterblich, aber etwas von dem Gefühl bleibt, egal welch schreckliche Dinge ich sehe. Wir brauchen die Zeitung nur weglegen, wir brauchen uns bei dem Unfall nur umdrehen, und alles ist verschwunden, nicht mehr existent.

Wer kann mir beweisen, dass du das selbe Grün siehst wie ich? Vielleicht nimmst du Dinge ganz anders wahr, vielleicht siehst du Sachen, die ich nicht sehen kann. Wer weiß ob manche Tierarten nicht phänomenale Fähigkeiten haben, die wir aber niemals erforschen können, da unser Gehirn dafür gar nicht ausgelegt ist.

Ich bin also allein in dieser Welt, alles existiert nur, weil ich das möchte. Würde ich mich also wirklich weiterhin mit Situps quälen, damit der Bauch straff ist? Wenn es doch niemand außer mir sieht? Würde ich wirklich die Schuhe mit den Ultraabsätzen tragen? Würde ich im Sommer mit langen Hosen rumrennen, weil meine Beine nicht so schön sind? Würde ich wirklich niemals ungeschminkt aus dem Haus gehen? Würde ich Entscheidungen treffen, aufgrund meiner eigenen Meinung und nicht der Beeinflussung Anderer?

Dann wäre ich nämlich wer ich bin. Ich wäre real und kein Trugbild in deiner Welt.

Armeisgeddon

Sehr einst verehrte und respektierte Gartenmitbewohner,

ich habe die Schnauze gestrichen voll, ich bin ein nervliches Wrack und erstmals kann ich mich in die Gefühlswelt von Amokläufern einfinden.

Ich hab euch in Ruhe gelassen, ich habe euch nicht einmal von der Terrasse verscheucht und habe im Gegenzug gleiches von euch erwartet, aber nein, ihr blöden, arroganten Scheißviecher habt ja offensichtlich einen „The World is not enough“ Trip oder so was, jedenfalls war ich nicht erfreut, euch in meinem Hausflur anzutreffen, noch weniger begeistert bin ich über die Tatsache, dass ihr meinen – nebenbei bemerkt sau teuren- Thuja Baum mit Formschschnitt langsam aber wirkungsvoll ermordet habt, dazu noch sämtliche Blumenkästen bevölkert und somit auch meiner Sommerpracht ein Ende bereitet habt, aber die absolute Krönung der Unverschämtheit, die Impertinenz eurer unfassbaren Arroganz ist es, über meinen Tisch zu laufen während wir essen, meinen Kindern in die Beine zu beißen und in mein Essen zu kakken. JETZT REICHT ES MIR.

Verpisst euch von meinem Grundstück ihr widerwärtigen Kreaturen aus der Hölle! Und wer mir jetzt kommt mit „wir sind ihren Lebensraum eingedrungen, nicht umgekehrt“, der soll mir dann mal bitte sagen, wo denn genau dann MEIN Lebensraum ist? Irgendwo muss ich meinen Bierarsch ja parken, und ich bin nun mal hier, wo soll ich hin? Würde ich in irgendeiner Höhle hocken, dann wärt ihr Arschmaden doch auch da und würdet euch über das frisch erlegte Mammut hermachen und mir in auf mein Büffelfell pinkeln.

Und von wegen Respekt vor den stärksten Insekten mit sozialer Gemeinschaft, weshalb sollte ich? Die Scheiße mit dem Schleppen ist angeboren, das hat sich Mutter Natur halt so für euch ausgesucht, warum sollte ich da Tribut zollen? Wenn ich Morgens aus dem Haus gehe, stehen auch nicht sämtliche Katzen und Hunde Spalier und klatschen Applaus weil ich auf 2 Beinen laufe. Und wenn ihr so furchtbar sozial seid, wo ist dann bitte euer Respekt vor anderen Lebewesen? Sucht euch gefälligst euer eigenes Essen, der ganze verdammte Garten steht euch zur Verfügung, und wehe es läuft euch ne Ameise aus einem anderen Nest über den Weg, dann gibt es aber gleich Mord und Totschlag. Vielleicht hab ich auch einfach die Bedeutung von „Sozial“ falsch verstanden. Dementsprechend würde ich dann aber in einer sehr sozialen Welt leben.

Keiner kann euch leiden, niemand braucht euch, ihr stinkt und seht scheiße aus,  geht und nehmt die beschissenen Wespen gleich mit, die braucht auch keiner. Und Ameisenforscher sind es auch nur deshalb geworden, um euch zu verstehen, damit man euch systematisch ausrotten kann. Ja, jetzt lacht ihr bestimmt, und ihr kommuniziert und seid sowieso viel intelligenter und toller und ganz viel hübscher als die Menschheit, wir verstehen euch nur nicht, weil wir diese hoch intelligente Spezies mit unseren minderwertigen Hirnen überhaupt nicht begreifen können. Aber wisst ihr was? Benehmen ist auch bei den schlausten Geschöpfen angebracht. Wenn man einen dummen Hund immer wieder tritt , wird er einem irgendwann ins Bein beißen. Arroganz bedeutet Fall- früher oder später. Und diesen Zeitpunkt haben wir jetzt erreicht, ihr glubschäugigen Kotzbrocken. Ihr habt jetzt genau noch einen Monat Zeit euer gesamtes Pack zu nehmen und euch zu verkrümeln, ansonsten hol ich Gift. Viel Gift. Ja, lacht nur, wenn das nichts nutzt hol ich mir nen Flammenwerfer, und wenn das alles nichts nutzt, dann fahr ich zu Kim  Jang Jung Jong, hol mir seine Nuklearwaffen und jage die ganze Bude in die Luft. Und Berlin, und Deutschland und den Rest der Welt, alles AAAALLLLEEEESSS. Und falls ihr das wider erwartend überleben solltet, dann könnt ihr ja mal gucken wer euch in Zukunft das Essen kocht, und wem ihr dann vors Bein pinkelt und wer euch den Garten umgräbt, wir sind hier nämlich hier die intelligentererere Spezies, ihr Kotzfressen!

 

 

 

 

Hell’s Kitchen vs. Sumpfkuh oder: Schöner wohnen mit den apokalyptischen Reitern

Bedeutungsschwere Überschriften erfordern einen sinnvollen Textbeitrag. Tja, falscher Blog lieber Leser, ich renoviere bloß die Küche!

Manch einer kennt das ja: „Wir müssen mal renovieren, sieht aus wie Sau“. „Jaja, geht ja noch“. „Da ist Nudelsoße in der Größe vom atlantischen Ozean auf der Tapete“. „Ja, ist nicht so schlimm, das fällt doch gar nicht auf“. „Da ist ein Loch im Fußboden, da kam gerade ein australisches Wombat raus“. „Ach was, stell den Mülleimer drauf“.

Irgendwann hast du die Wahl zwischen einem Axtmord oder Eigeninitiative. Ich habe mich zunächst mal für Letzteres entschieden. Manch einer mag das nun für keine gute Idee halten, nach dem Drama mit den Pinguinen, aber ich kann nur sagen, die waren einfach zu anspruchslos für mich. Meine Genialität ist zu höheren Dingen erkoren. Oma hat immer gesagt ich bin künstlerisch begabt, Oma hat auch gesagt ich hätte unglaubliche Ähnlichkeiten mit Grace Kelly, und ich wäre etwas Besonderes. Ich vermute allerdings aus Ermangelung an positiven Eigenschaften, hat sie da ein wenig geflunkert.

So, was getan werden muss, und zwar in dieser Reihenfolge: Arbeitsplatte abschleifen und neu versiegeln, Tapete runter, Decke streichen, neue Wandgestaltung, neuer Fußboden ( und jede Menge neues Kücheninventar in pink, aber das muss außer uns niemand erfahren).

Also erstes Prokjekt, die Arbeitsplatte. Hier ein „Vorher“ Bild: 16667315_1428320607191585_84650043_o

Ich gehe also in den Baumarkt, um mir ein Profigerät zu leihen, selbstverständlich mit praktischem Staubfilter, damit man hinterher nicht alles putzen muss. HAHAHA. Stecke das Teil in die Steckdose, Schleifpapier drauf und ab dafür. Ja. Passiert nur leider nichts, außer ziemlichen Krach. Auch von links nach rechts ziehen bringt nichts. WAS SOLL DAS? Wofür brauche ich bitte ein scheiß Profischleiffickgerät, wenn das nix macht außer Krach? Wehe dem, der nun denk, ich wäre zu dämlich das Ding zu bedienen, ich habe schon begriffen, dass man Druck ausüben muss um ein Ergebnis zu sehen. Nur leider braucht man ungefähr so viel Druck, als wolle man umgekehrt Exkalibur aus dem Stein ziehen. Und da ich leider keine 150 Kilo wiege- wobei mir das Wort leider doch hier ein wenig fehl platziert vorkommt- nicht mal die Hälfte, ist dies ein schwieriges Unterfangen. Da in meinem Haushalt sämtliche Gebrauchsgegenstände die Angewohnheit haben mich zuzuquatschen, sagt mir dieses Gerät nun „Baby, ich bin halt ein Gerät für echte Männer“. Worauf ich entgegne“ Also genau genommen bin ich das auch, deshalb sollten wir doch zusammenhalten“. Findet dieses völlig zweckfreie Teil aber nicht und sträubt sich weiterhin. Ich meine wo liegt bitte die Funktion? Wenn ich so feste drücken muss, als wollte ich den Ätna vor dem Ausbruch abhalten, kann ich die scheiße auch gleich mit der Hand abschleifen.

Ich drücke also, und drücke. Hocke mich auf die Arbeitsplatte und zeig dem chauvinistischen Scheißgerät wo der Hammer hängt. Als dank wirft es spontan den total dichten Filter ab und hüllt mich in Staub. Kein Feenstaub. Mehr so 9/11 Staub.

Und das tut er auch weiterhin. Sobald ich feste drücke, wirft er entrüstet sein Kläppchen ab. Super Gerät. Ich hab Lust das Ding aus dem Fenster zu schmeißen, aber mittlerweile bin ich so wütend, das die Spähne fliegen. Dabei wende ich interessante körperliche Verrenkungen an, um möglichst viel Druck auf das Biest auszuüben, das lässt sich nämlich nicht bescheissen. Nach einer Stunde habe ich bereits unglaubliche Schmerzen, aber ich muss dieses Wunder der neuzeitlichen Technologie ja zurückgeben, und jeder Tag kostet.

Die Nachbarn haben derzeit die Wahl zwischen erdbebenartigen Geräuschen der Maschine, oder Volbeat aus den Boxen, was logischerweise lauter sein muss als das Gerät, und das Fenster muss auch auf sein, wegen Staub und so. Ich hab nur gewartet das einer klingeln kommt, damit ich überprüfen kann wie sich das Gerät auf menschlicher Haut so verhält. Klingelt aber keiner, trotzdem erscheint mir der Axtmord mittlerweile doch recht attraktiv. Bedauerlicherweise habe ich aber keine Kraft mehr die Axt zu heben.

Natürlich habe ich keinen verschissenen Atemschutz gekauft, das Ding hat ja schließlich auch einen Filter. Einen PROFIFILTER. Und was lernen wir daraus? Wenn sich alle Profis so professionell verhalten wie dieses Ding? Richtig. 16707015_1428320863858226_426847398_n

Gegen 6 bin ich dem Tode nahe. Ich habe es versäumt Spinat zu essen, sonst hätte das alles viel besser geklappt. Aber ich ich habe das Gefühl das Teil lacht mich aus, also gönne ich ihm den Sieg nicht. Das Arschloch versucht mich mit allen Mitteln zu boykottieren. Mal ausbrechen nach links, kleine Staubfontäne mitten ins Gesicht, Herzmuskelrüttler. Aber nicht mit mir, ich habe Kinder durch meine Vagina gepresst, da werde ich mich von so einem verkleideten Aldi B Ware Objekt nicht runter machen lassen.

Und am Ende habe ich es geschafft, nun gut, die letzte Ecke mehr schlecht als recht, aber die scheiß Platte ist abgeschliffen. Und die Küche ist dank des Superfilters dabei nahezu staubfrei geblieben, wie man hier schön erkennen kann: 16709632_1428321067191539_389529409_o

Jetzt, am nächsten Tag, wäre ich glaube ich durchaus in der Lage, das Loch in der Titanic mit bloßen Händen zuzuhalten. Hatten die keinen Schleifer an Bord?  Ich werde nie mehr wieder irgendwas in meinem Leben abschleifen. Nie mehr. Aber ich habe durchaus für das Leben gelernt, nämlich das ich dringend eine Axt brauche.

Profigeräte sind fürn Arsch. Zumindest Schleifmaschinen. Die können nichts, außer jede Menge Krach machen und frauenfeindliche Sprüche raushauen. Diese hier zumindest kann nichts. Jaja, ich weiß, es ist wahrscheinlicher, dass ich nichts kann, aber hey, die verschissene Platte ist abgeschliffen. Das Biest habe ich jetzt aber geläutert. Wer sich also demnächst eine verweichlichte Schleifmaschine ausleiht,  die war vorher bei mir. So, und jetzt kommt natürlich noch ein „Nachher“ Bild.

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Ja, finde ich auch. Sieht genauso aus wie vorher.

 

 

 

 

 

 

 

Wie die Red Hot Chili Peppers mein Leben veränderten

Man kennt das, du steigst ins Auto, machst das Radio an und hörst die letzte Hälfte der letzten Strophe eines wirklich guten Songs, und denkst „Yes“, drehst so richtig auf, und dann kommt nur noch Scheiße. Obwohl, so ganz stimmt das nicht. Kommt immer darauf an wie lange die geplante Autofahrt dauert. „Mal eben“ – gute Musik, längere Strecken ziemlich viel Mist, und wenn man mal wieder- wie ich ständig – die ganze eigene Sammlung Zuhause vergessen hat  kann man davon ausgehen, dass nicht ein einziges gutes Lied kommt und man nach halbstündiger Radiostationendurchforstung am Ende verzweifelt  lauthals zu „Marmor, Stein und Eisen bricht“ mitsingt.

Ich habe allerdings noch ein ganz persönliches Schicksal, einen Fluch, eine Heimsuchung, eine Geißelung die sich durch mein Leben zieht wie ein roter Faden. Die Red Hot Chili Peppers. Erste nähere Bekanntschaft in der Schule, meine Schulfreundin Simone war großer Fan, dementsprechend liefen diese urwaldähnlichen Klänge bei ihr rauf und runter, und ich dachte nur so „nääää“. Das war ein Fehler. Ich hätte denken sollen “ Och ja, ist jetzt nicht ganz meins, aber ok“, so zur Tarnung, denn ich glaube seit diesem Tag bepisst sich da oben jemand vor Lachen mich in allen möglichen Situationen mit dem „American way of UgaaUgga“ Sound zu quälen. Warum? WARUM? Was habe ich getan? Bei mir kommt nach dem guten Song die Red Hot Chili Peppers, schalte ich um, kommen die Red Hot Chili Peppers, und wenn ich zur maximalen Konfrontationsvermeidung auf den Klassikkanal schalte, dann kommen garantiert die verschissenen Red Hot Chili Peppers. Im Supermarkt, beim Frisör, im Kinderwunderland, beim Japaner, selbst in der Warteschleife vom Beerdigungsinstitut Meyer laufen die Primaten der Neuzeit.

Liebe Fans, es tut mir echt leid, ich möchte niemanden denunzieren (doch), aber die Lieder klingen doch alle gleich, und zwar wie Originalaufnahmen von „Gorillas im Nebel“. Mein Vater hat immer gebrüllt „Mach die verdammte Affenmusik leiser“, aber das hier, das ist die wahre Definition von Affenmusik. Man schalte die Red Hot Chili Peppers ein, schließe die Augen und lasse die Bilder vor den Augen vorbeiziehen. Bei mir kommen immer nur tanzende Affen, sich lausende Affen, an Lianen schwingende Affen. Ich glaube da besteht eine direkte Verbindung. Wirklich. Ich sage schon seit Jahren, dass ich irgendwann mit einem Musikgerät in den Zoo gehen werde, und den Affen das mal vorspiele. Ich werde das testen, ich denke sie werden sich weinend in den Armen liegen, ein Gefühl von Verbundenheit, von Heimat, von Weltherrschaft wird sie überkommen.

Es gibt doch so viele andere bekannte, tolle Bands aus Amerika. Die Foo Fighters zum Beispiel. Die sind gut. Und der Mann ist lustig. Lustig sein ist sexy. Orang-Utan Klaus ist nicht lustig. Wenn ich das nächste Mal im Hamam liege und mich auf meine Massage freue und statt sphärischen Klängen die Red Hot Chili Peppers kommen, dann werde ich eine hulkmäßige Metamorphose durchmachen. Nicht nur die Musik ist grauenvoll, der Mann sieht doch auch selbst aus wie ein Affe. Wer läuft bitte mit 54 mit rosanen T Shirts, Schnurrbart und Hip Hop Käppi rum? Ok, das war nun wirklich gemein, also falls mich wer verklagen will schnell noch etwas zur Besänftigung:

Dear Mr. Dingens,

i am a huge fan of your band. I am listening to your music daily. Everywhere. I really love every song, because it sounds so different. You’re touching my heart with your wonderful voice. It sounds so virility. And you are so hot. I love your beard. In Germany it’s called „Pornobalken“. I am so sad, that i haven’t seen you in concert yet, but i had a lot of work like combing hedgehogs or tasting nearly every taste of ice cream in the world. I am very sorry. You have done so much for the world. You should relax now. You’ve earned it. Take a few models an enjoy life. There is no need of more music. The world can’t stay to much genius. I am sorry that we will never meet. Lots of Love.

Es tut mir leid wenn ich jetzt irgendwelche Fans verärgert habe. Das ist lediglich mein persönliches Empfinden, mein Untergang, mein Fluch, mein Verderben, meine Seelenqualen, mein Unheil, mein Pech. Fahre jetzt zu Ikea. Nehme vorsorglich Kopfhörer mit, falls ich mal aufs Klo muss.

Mensch, heile dich selbst!

Zunächst einmal möchte ich mich für die verbalen Entgleisungen meines letzten Blogeintrags entschuldigen. Es ist natürlich absolut indiskutabel Schokolade in ein negatives Licht zu rücken. Wir haben uns mittlerweile vertragen. Die Pissterrorpinguine dürfen aber ruhig in der Antiaggressionsgruppe bleiben.

Zur Sache: Winterzeit, Erkältungszeit. Nun ist aber eine brandneue Krankheit auf dem Markt, und ich habe sie für euch getestet! Die Rattenkrankheit. Nein, nicht die Pest, aber diese Seuche verdient einen beschissenen Namen. Also Rattenkakkrankheit. Dabei handelt es sich um eine Mischung aus normaler Erkältung und nicht normaler Erkältung.

Nachdem die „normale“ Erkältung mich erwischt hatte, und ich nach 5 Tagen oder so dachte „yeah, jetzt wird es endlich besser“, hatten meine Viren in der Nacht offenbar ein Stelldichein mit ein paar Viren aus dem tiefsten Schlund der Hölle, von den Satanpinguinen aus der Tonne persönlich auf mein Brot geniest. Jedenfalls war am nächsten Morgen alles dicht, Ohren, Nase, Kopf. Ich habe seit nun fast 14 Tagen weder etwas gerochen noch geschmeckt. Das wäre nun natürlich ein wunderbarer Zeitpunkt für eine Karriere als Kläranlagenreiniger, oder ich könnte feststellen dass ein Bad in Dünnschiss viel besser für die Haut ist als ein Moorbad, aber nein, ich muss das los werden.

Um mich kurz zu fassen:

Knoblauch im Ohr: Effektiv gegen mitteilungsfreudige Nachbarn und zu langes Warten an der Supermarktkasse, bei Rattenkrankheit unwirksam. Eventuell habe ich aber auch nur einen Placebo Knoblauch erwischt.

Tee mit Honig: Ideal zum Verbrauch von ungeliebten Sorten, ansonsten kein Erfolg.

Kopf über Nudelwasser halten: Sehr angenehm, kein Effekt zu vermerken.

Lautstarkes fluchen und verwünschen der Rattenkrankheit: Psychische Erleichterung, Physische Nullnummer.

Gepresster Orangensaft mit Zitrone: Verschwendung von Ressourcen.

Rotlichtlampe: Ideales Stilmittel für Blair Witch Projekt 10, Rattenkrankheit erfreut sich absoluter Resistenz.

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Esberitox, Gelomythol, Zink, Vitaminpillen, Opfergabe an die Pinguine in der Tonne, nix.

Aber dann stieß ich beim durchwühlen meines Medikamentenschranks auf eine altertümliche Flasche mit sonderlichen Schriftzeichen! 16216124_1408385885851724_885149130_n

Einmal tief dran gerochen, merkt man zumindest ein Knistern in der Nase, also direkt Wasser aufgesetzt, und statt der empfohlenen 2 Tropfen direkt mal 10 rein gemacht, ist ja schließlich schon seit 2011 abgelaufen.Handtuch drüber und tiiiieeeef einatmen. Empfehlung : man sollte sich an Dosieranweisungen halten. Ich bin mir nicht sicher, ob sich zu diesem Zeitpunkt noch Organe in meinem Körper befinden. Das Zeug zieht einem nicht nur den Schlüpper aus, es tätowiert einem auch gleich ein „pimped by J.Minz“ auf den Hintern. Es brennt wie Hölle. Die Japaner, die fackeln nicht lange, und ich hege den Verdacht, dass die Minzöl und Danchlorix im gleichen Werk herstellen. Nun ja, es brennt, es verbrennt alles, außer der Rattenkrankheit. Sie ist immer noch da, alle Bemühungen waren erfolglos.

ABER: es heißt ja jede durchlebte Krankheit stärkt die Abwehrkräfte. Bei mindestens 2 Erkältungen und 2 mal Kotzerei im Jahr müsste ich bald eine verdammte Wehrmacht im Körper haben. Warum werde ich dann wieder krank? Na klar, um noch stärker zu werden, ich meine das ganze „Kind iss die Pampelmuse, stärkt die Abwehr“ und „jaja, 4 Kilometer durch den Regen macht das Immunsystem stark“- Scheisse, muss ja irgendeinen Sinn haben. Also nicht mehr lange und ich habe das optimale Chuck Norris Abwehrsystem. Wenn ich also als Oma im Lehnstuhl sitze und Gevatter Tod anklopft, kippe ich mir schnell ein Actimel runter und dann guckt der ganz schön doof aus der Wäsche. Bis dahin werde ich sämtliche Widersacher mit Minzöl aus dem Weg räumen. Falls der Pinguin/Rattenfluch jemals von mir weicht.